Die Zukunft des Tagesgeldes

An dieser Stelle wollen wir einen längerfristigen Ausblick in die Zukunft wagen. Immer wieder erreichen uns ja überraschende und manchmal auch verwirrende Nachrichten aus der Finanzwelt. Dass die Europäische Zentralbank entgegen aller Prognosen plötzlich ihren Leitzins senkt, kam schon mal vor und könnte auch wieder vorkommen. Experten gehen davon aus, dass die Festgeldzinsen ebenfalls sinken werden. Natürlich hat die überraschende Wende in Zeiten der Eurokrise auch Auswirkungen auf die Geldanlagen der deutschen Sparer. Die Verunsicherung geht also weiter.

Banken sind von Sparern abhängig

Die Entwicklungen des ausgehenden Finanzjahres ließen ein Raunen durch die Reihen der deutschen Anleger gehen. Die allgemeine Verunsicherung und die Angst um die persönlichen Anlagen halten auch weiterhin an. Die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrem neuen Präsidenten Mario Draghi hat erstmalig seit zweieinhalb Jahren den Leitzins herabgesetzt. Er sank von vormals 1,5 auf 1,25 Prozent. Als wären die andauernden Krisennachrichten, das Geschacher um die Zukunft der Währungsunion und das ständige Auf und Ab an den Börsen nicht schon genug, müssen sich verunsicherte Verbraucher nun auch noch ganz andere Fragen stellen. Wie steht es also um die Zukunft von Tagesgeld, Festgeld und Baugeld? Wie finster werden die Zeiten für emsige Sparer wirklich?

Eigentlich hatten die Besitzer von Tagesgeldkonten kaum einen Grund, um sich zu beschweren. Die Zinsen, so wankelmütig sie ansonsten auch sein mögen, schienen kontinuierlich nach oben zu klettern und das sorgte naturgemäß für gute Stimmung. Geldinstitute, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, stets die besten Offerten innezuhaben, müssen schon 2,7 Prozent bieten, um überhaupt in den Tagesgeld-Ranglisten an der Spitze bleiben zu können. Noch vor einigen Monaten reichten lediglich 2,3 Prozent, um für potenzielle Kunden attraktiv zu erscheinen. Überdies stieg der Tagesgeldindex des Datenanbieters Biallo seit dem Frühjahr von 1,1 Prozent auf 1,3 Prozent. Dieser Index gibt den Durchschnittszins von 124 Angeboten wieder und zeugt hier also auch von einer kräftigen Bewegung im Mittelfeld. Als Grund für diesen Aufschwung kann wohl zuvörderst das Ringen um den Euro und die damit einhergehenden, andauernden Querelen genannt werden. Die Situation gestaltet sich nämlich folgendermaßen: Die Banken trauen einander nicht mehr und wollen sich verständlicherweise auch kein Geld mehr leihen, weil der Mitbewerber ja wohlmöglich auf hohen Beständen riskanter Staatsanleihen sitzen könnte, die demnächst in sich zusammenstürzen. Aus diesem Grund müssen sie sich von anderer Stelle Geld für ihre täglichen Geschäfte besorgen und genau hier kommen eben die Sparer mit ihren Einlagen ins Spiel. Die meisten Finanzexperten bezweifeln allerdings, dass Draghis Zinskurs eingedenk der offensichtlichen Marktverwerfungen letztendlich zu geringeren Tagesgeld-Zinsen führen kann. Es wäre andererseits auch töricht anzunehmen, die Banken würden sich bezüglich des Zinses in den nächsten Wochen weiter gegenseitig nach oben schaukeln. Seit der Leitzins-Ankündigung haben sie für dererlei Sperenzchen keinen angemessenen Spielraum mehr.

Wie steht es mit dem Festgeld?

Was das Festgeld angeht, werden tatsächlich Senkungen erwartet. Diese Prognose trauen sich die Wirtschaftsweisen zu, weil die Zinskurve erfahrungsgemäß beim Festgeld stets sehr viel näher an der Leitzins-Treppe der Notenbank zu finden war. In der Vergangenheit bedeutete das: Zog der Leitzins kräftig an, stieg auch das Festgeld rapide an und umgekehrt. Das ist mit dem Umstand zu erklären, dass sich die Banken hier ja für einen relativ langen Zeitraum, der oftmals viele Jahre umfasst, auf einen Zins festlegen. Das könnte bedeuten, dass sich der Festgeldzins wohlmöglich gerade auf dem Zenit einer längeren Zeitspanne befindet.